Schlager – das unterschätzte Genre

Wer heutzutage immer noch glaubt, der Schlager wäre altbacken und nur etwas für Personen jenseits der 70, der täuscht sich gewaltig. Wer einmal Andrea Berg oder Helene Fischer in Aktion gesehen hat, dem verschlägt es sicherlich nicht nur einmal die Sprache. Vorbei ist die Zeit der Schlaghosen und Dirndl, heutzutage gilt auch im Schlager: Sex sells. Und das wirkt. Alleine Andrea Bergs Album „Abenteuer“, verkaufte sich in nur zwei Wochen über 200.000 Mal, das bedeutete Platin! Ihr Best-of-Album hielt sich fast genauso lange in den Charts, wie „Wish you were here“ von Pink Floyd. Sie bricht alle Rekorde und ist trotzdem authentisch.

Zurzeit liegt der Marktanteil des deutschen Schlagers bei sieben Prozent, dürfte aber laut André Selleneit, Chef des Plattenlabels Ariola, deutlich höher sein: „Der deutsche Schlager hat insgesamt einen Marktanteil von rund sieben Prozent. Real dürfte der Marktanteil noch um rund ein Drittel höher liegen, denn Interpreten wie DJ Ötzi werden zu Pop gezählt, machen aber eindeutig Schlager.“

Helene Fischer schlug sogar internationale Stars wie Lady Gaga, indem Sie gleich zwei Alben in den Top 30 platzierte und somit der Schlagerbranche zusammen mit Andrea Berg ein erfolgreiches viertes Quartal 2011 präsentierte. Alleine durch den Verkauf von Tonträgern werden jedes Jahr etwa 20 Mio. € Umsatz gemacht, geschätzt ergibt dies allerdings nur ein Fünftel des Gesamtumsatzes, der somit insgesamt bei etwa 100 Mio. € liegen dürfte. Haupteinnahmequelle sind somit Live-Auftritte, Konzerttickets und Merchandising-Gegenstände, die sich von Kugelschreibern über Handtücher, bis hin zu Kochschürzen erstrecken.

Trotzdem wird der Schlager immer noch belächelt, obwohl er am Gesamtumsatz der deutschen Musikbranche seit dem Jahre 2007 von drei auf mittlerweile mehr als fünf Prozent gestiegen ist.

Gründe hierfür werden im Wachstum der älteren Generation vermutet. Illegale Downloads im Internet wären aufgrund fehlender IT-Kenntnisse so gut wie nicht vorhanden. André Selleneit möchte mit diesem Vorurteil aufräumen: „Junge Hörer wüchsen nach, Die strenge Teilung zwischen den verschiedenen Musikrichtungen sei aufgehoben. „Heute fährt der Verbraucher zu einem Shakira Konzert und morgen hört er die CD von Andrea Berg.“ Der Schlager sei ein Teil der deutschen Kultur: „Jeder von uns hat schon mal Udo Jürgens gehört, zu DJ Ötzi bei einer Après-Ski-Party getanzt oder auf Mallorca einen Hit von Jürgen Drews mitgesungen.“ Deshalb ist sich der Ariola-Chef sicher: „Der Schlager wird nicht aussterben.“ Dies scheint sich in den Altersgruppen der Schlager Hörer abzuzeichnen: Während 2009 nur sieben Prozent der Käufer von Schlagermusik zwischen 20 und 29 Jahre alt waren, waren es 2010 schon ganze zwölf Prozent. Drücke vom Bundesverband Musikindustrie ist überzeugt, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. „Grund hierfür sind unter anderem Künstler, die auch jüngere Zielgruppen ansprechen, wie beispielsweise Helene Fischer.“

Ein weiterer Grund für diese Entwicklung seien alternative Vermarktungsstrategien wie Teleshoppingkanäle und soziale Netzwerke wie Facebook. Dort hat alleine Andrea Berg mehr als 21.000 Fans.

Als schwierig gestalte sich allerdings der Erfolg im Ausland, dies gelinge aufgrund der großen Sprachbarriere nur wenigen, wie zum Beispiel dem argentinisch-stämmigen Schlager Barden Semino Rossi, der bei einem Auftritt in Belgien mehr als 6.000 Zuschauer unterhalten durfte. Auch 2012 werden zwölf seiner 50 Tour-Termine im Ausland stattfinden. Semino Rossi sei in dieser Hinsicht allerdings eine Ausnahme: „Große Märkte wie Frankreich oder Großbritannien werden wir mit dem deutschen Schlager nicht erobern, da bin ich realistisch. Die Sprachbarriere ist einfach zu groß“, so Selleneit.

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